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Wissenschaftler: „KI bedeutet nicht automatisch bessere Medizin“

In der Medizin gibt es zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für Künstliche Intelligenz (KI). Das Spektrum reicht von Apps für die Früherkennung von Krankheiten über die Entwicklung von Medikamenten bis hin zu Algorithmen zur Bestimmung von Krebsarten. Der Humanmediziner Jochen A. Werner, Direktor des Universitätsklinikums Essen, prognostiziert, dass der Arztberuf, so wie er heute betrieben werde, keinen Bestand haben werde. „Ärzte werden viel mehr mit Datenwissenschaftlern zusammenarbeiten, maschinelle Unterstützung nutzen und mehr in die Kommunikation auf Augenhöhe mit dem Patienten eintreten“, betont der Experte, der sich auf den Einsatz von KI im Klinikalltag spezialisiert hat, im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Laut Werner sollte man nicht enttäuscht darüber sein, wenn gewisse Kompetenzen verloren gingen. Man solle KI vielmehr als Hilfe sehen, um die großen Aufgaben, „die vor uns liegen, lösen zu können und wieder näher am Patienten zu arbeiten.“

Die Technologie könne etwa von Routinearbeiten entlasten, führt er aus: „Wenn zum Beispiel Radiologen den ganzen Tag dieselbe Arbeit machen, setzt irgendwann eine Ermüdung ein, die Maschine hingegen bleibt wach“, so Werner. Die Technik solle den erfahrenen Radiologen nicht ersetzen, aber unterstützen. „Zum Schluss profitieren die Patienten davon, wenn Künstliche Intelligenz mit Verstand eingesetzt wird.“ Der Mediziner verweist auf die Januar-Ausgabe der „Nature“ mit einer Arbeit über Brustkrebs, bei der die Überlegenheit der KI gegenüber erfahrenen Radiologen nachgewiesen worden sei. Auch schwarzer Hautkrebs könne besser diagnostiziert werden, wenn man Mensch und Maschine kombiniere, erläutert der Experte.

Bessere Diagnostik möglich

Auch die Diagnostik werde besser, so Werner. Darauf basierend könnten Ärzte mit Hilfe von KI die beste Therapie vorschlagen. „Bei den Ärzten wird dann nicht mehr die Haupttätigkeit in der Befundung und Befundanalyse liegen, sondern in der engen Begleitung von kranken Menschen. Das ist eine Chance, aber auch eine Verpflichtung.“ Der Mediziner glaubt außerdem, dass man sich mehr um den präventiven Bereich kümmern müsse, also die Zeit, bevor die Krankheit symptomatisch werde. Die Gesunderhaltung sei bisher eher den Menschen selbst überlassen, aber auch dort werde man sich in Zukunft mit Befunden auseinandersetzen können. Das müsse begleitet werden. „Die Neuerungen müssen dazu genutzt werden, das Berufsbild so attraktiv zu machen, wie es nur geht, sonst sucht sich auch das Pflegepersonal unvermindert Alternativen“, so der Forscher.

Werner macht zugleich eine Einschränkung: „Wir finden heute schon in jedem Fach der Medizin Beispiele dafür, die – trotz aller Begeisterung für die Künstliche Intelligenz – auch immer gegengeprüft werden müssen. Künstliche Intelligenz bedeutet nicht automatisch bessere Medizin.“ Es gebe auch Risiken. Diese seien dann gegeben, wenn KI unkontrolliert und ungeprüft eingesetzt werde. „Künstliche Intelligenz muss genauso eine Qualitätskontrolle durchlaufen, wie alle anderen Verfahren, die im Gesundheitswesen eingesetzt werden. Deshalb sind gute Daten das wichtigste“, erklärt der Wissenschaftler. Mit deren Hilfe könne man Algorithmen entwickeln, die im Kontext Künstlicher Intelligenz zum Einsatz kämen. „Wenn die Datenqualität schlecht ist, wird auch Künstliche Intelligenz schlecht sein. Das kann Probleme erzeugen, die vorher gar nicht da waren“, resümiert Werner. (ud)

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