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Ukraine-Konflikt: EZB bereitet Banken auf Cyberattacken vor  

Die Europäische Zentralbank (EZB) bereitet Banken in der Eurozone offenbar auf einen möglichen, von Russland unterstützten, Cyberangriff vor. Die Währungshüter hätten die Kreditinstitute daher zu ihren aktuellen Abwehrmaßnahmen befragt, sagte den Angaben zufolge eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Die Ukraine-Krise habe die Aufmerksamkeit der Notenbank auf drohende Cyberangriffe aus Russland gelenkt. Die Institute führten daher Maßnahmen durch, um ihre Fähigkeit zu testen, einen drohenden Angriff abzuwehren, hieß es. Die EZB sieht in der Beseitigung von Cyber-Sicherheitslücken eine ihrer größten Prioritäten.

Banken und Finanzdienstleister müssen seit 2018 Sicherheitsprobleme bei der IT an die Finanzaufsicht BaFin melden. Zwischen 2018 und 2020 seien etwa 600 Sicherheitsvorfälle gemeldet worden, hieß es in einer Broschüre zur Cybersicherheit der BaFin aus dem Jahr 2020. Die Europäische Zentralbank meldete in einem kürzlich veröffentlichten Report für das Jahr 2020 einen Anstieg von 54 Prozent bei Cyberattacken im Vergleich zum Vorjahr.

KI im Kampf gegen Cyberattacken
Die Finanzindustrie setzt verstärkt Künstliche Intelligenz (KI) ein, um Cyberattacken abzuwehren. Im Bereich des Online Bankings könne etwa mit Hilfe von KI ermittelt werden, ob eine erhöhte Bedrohungslage herrsche, hieß es in einem Papier des eco – Verbands der Internetwirtschaft e.V. Dazu würden verschiedene Datenquellen herangezogen und beispielsweise ermittelt, wie viele Banking-Trojaner aktuell aktiv seien, ob es aktuell bekannte Software-Schwachstellen im Umfeld von Online Banking gebe, die für einen Angriff auf Bankkunden verwendet werden könnten oder ob derzeit vermehrt versucht werde, mit Phishing-Mails Zugangsdaten zu Online Konten abzugreifen.

Diese und andere Indikatoren, wie identifizierte Betrugs- oder Betrugsversuchsfälle der Bank, könnten dann verwendet werden, um mit verschiedensten Algorithmen aus dem Bereich des Maschinellen Lernens (ML) ein Bedrohungslagebild zu erstellen und den Bankkunden bei hoher Bedrohung zu warnen und entsprechend aufzuklären, um die Schäden zu verhindern.

Betrugsversuche im Online Banking in Echtzeit erkennen
Für Banken wird KI zu einem immer bedeutsameren Faktor, so eine Studie von Deutsche Bank Research. Derzeit werde etwa getestet, ob und wie KI mögliche Betrugsversuche im Online Banking in Echtzeit erkennen und verhindern könne. Kreditkartenbetrug sei in den vergangenen Jahren zu einer der verbreitetsten Formen von Cyberkriminalität geworden, und diese Tendenz werde durch das kräftige Wachstum im mobilen Zahlungsverkehr noch verstärkt. Um eventuelle Betrugsfälle zu erkennen, prüfen der Untersuchung zufolge KI-Algorithmen in Echtzeit, ob die von Kunden getätigten Kreditkartentransaktionen plausibel seien, und verglichen aktuelle Zahlungsvorgänge im Hinblick auf den Zahlungsbetrag und -ort mit früheren Zahlungen. Wenn ein Risiko erkannt werde, blockiere die KI die entsprechende Transaktion, hieß es.

Außerdem werde der Einsatz von KI in KYC-Prozessen getestet, bei denen die Identität von Kunden überprüft werde: „KI-Algorithmen scannen Kundenunterlagen und vergleichen sie mit Informationen aus dem Internet, um festzustellen, wie zuverlässig die Unterlagen sind. Bei etwaigen Widersprüchen schlagen die KI-Algorithmen Alarm und Bankmitarbeiter führen eine detailliertere KYC-Prüfung durch“, hieß es.

Sicherheitsservices von Banken sind beliebt
Fast jeder zweite Deutsche zeige sich derweil dafür offen, Sicherheitsservices zu nutzen, die von seiner Bank oder Versicherung angeboten würden, so eine aktuelle Studie. Demnach genießen die Institute im Umgang mit persönlichen Daten bei den Bürgern immer noch einen großen Vertrauensvorschuss. Besonders groß sei die Bereitschaft junger Leute bis 30 Jahre, entsprechende Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Sie bewegten sich viele Stunden am Tag in der virtuellen Welt und wollten ihre selbst hinterlassenen Spuren kontrollieren. Zwei Drittel dieser Gruppe interessiere sich daher für über eine Bank angebotene Sicherheitsservices.

Dies sind die Ergebnisse einer Studie von Civey im Auftrag der Etvas GmbH. Dessen Geschäftsführer Sören Timm erklärte: „Die Menschen suchen nach Angeboten, um Sicherheitslücken auf den eigenen Geräten zu schließen und sich vor Hackerangriffen und Datenspionage zu schützen. Hier bietet sich Banken die Gelegenheit, mit passenden Mehrwertdiensten neue Geschäftsfelder zu erschließen.“ (ud)

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