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Studie legt Kriterien fest: Wie nachhaltig ist Künstliche Intelligenz?   

Zwar wird viel über die Ethik von KI debattiert, doch eine umfassende Analyse der mit KI auftretenden möglichen ethischen Probleme fehlt bislang. Das Ziel bestehe darin, aktuelle Diskussionen zu verantwortungsvoller KI aufzugreifen und zu einer übergreifenden Perspektive auf nachhaltige KI zu erweitern, so die Studie, die vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Kooperation mit dem Distributed Artificial Intelligence Laboratory (DAI-Labor) der Technischen Universität Berlin (TU Berlin) sowie dem Forschungsteam von Algorithm Watch durchgeführt wurde. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesumweltministerium (BMUV).

Die Verfasser verweisen auf aktuelle Empfehlungsprozesse zu KI. Demnach adressieren die UNESCO-Empfehlungen für ethische KI neben menschenrechtlichen Aspekten auch weitreichende ökologische Auswirkungen von KI. Darunter sind den Angaben zufolge etwa direkte und indirekte Umweltauswirkungen während des gesamten Lebenszyklus von KI-Systemen, z. B. der CO2-Fußabdruck, der Energieverbrauch und die Umweltauswirkungen der Rohstoffgewinnung für die Herstellung von KI-Technologien (UNESCO 2021) sowie die Verringerung der Umweltauswirkungen von KI-Systemen und Dateninfrastrukturen. Auch der kürzlich veröffentlichte AI Prozessstandard IEEE 7000 adressiere die Lebenszyklusperspektive mit Blick auf verantwortungsvolles Engineering.  

Nachhaltigkeitswirkungen entlang des Lebenszyklus analysieren
„Für die Frage, ob KI-Systeme positive oder negative Wirkungen im Hinblick auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung entfalten, kann nicht allein darauf geschaut werden, in welchem Sektor KI-Systeme eingesetzt werden und ob sich daraus möglicherweise positive Beiträge für einzelne Aspekte nachhaltiger Entwicklung (z. B. Klimaschutz oder Armutsbekämpfung) ableiten lassen. Diese instrumentelle Perspektive greift zu kurz“, hieß es. Vielmehr müssten die Nachhaltigkeitswirkungen von KI-Systeme entlang des Lebenszyklus analysiert werden. Bei den Nachhaltigkeitskriterien entwickeln die Autoren daher „eine eingebettete Perspektive auf nachhaltige KI, die in erster Linie die sozialen, ökologischen und ökonomischen Auswirkungen entlang des Lebenszyklus aller KI-Systeme adressiert.“

Mit dem Ansatz der nachhaltigen KI sollten Mindestanforderungen formuliert werden, die bei der Entwicklung und Implementierung aller KI-Systeme vor dem Hintergrund gesellschaftlich gesteckter Nachhaltigkeitsziele zu beachten seien, so die Studie weiter. Damit solle auch der Tatsache Rechnung getragen werden, dass KI-Systeme zwar für die Verfolgung von Nachhaltigkeitszielen eingesetzt werden könnten, solche Zielsetzungen aber bei weitem nicht bei der Entwicklung von allen KI-Systemen den Ausgangspunkt bildeten. Die Auswirkungen der Technologie und deren Verknüpfung mit der digitalen Infrastruktur sollten daher in einer übergreifenden Nachhaltigkeitsperspektive entlang des KI-Lebenszyklus adressiert werden.

Eine nachhaltige KI sei vorhanden, „wenn Entwicklung und Einsatz dieser Systeme die planetaren Grenzen respektiert, keine problematischen ökonomischen Dynamiken verstärkt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht gefährdet. Mit den Nachhaltigkeitskriterien für Künstliche Intelligenz wollen wir erste Ansatzpunkte aufzeigen und eine Diskussion anstoßen, wie eine umfassende Perspektive auf die nachhaltige Gestaltung dieses sozio-technischen Systems aussehen kann“, so das Fazit der Autoren. (ud)

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