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Praxisreport: Firmen kommen bei der KI-Nutzung nur langsam voran

Durch die Vielzahl an Kundendaten böte KI in den Bereichen Marketing, Vertrieb und Produktmanagement besonders großes Potenzial. Der Schwerpunkt liege derzeit im Marketing. Obwohl die befragten Unternehmen sich bereits intensiv mit der Nutzung von KI beschäftigen würden, werde sie bisher lediglich in der Hälfte der identifizierten Use Cases produktiv eingesetzt, so ein Praxisreport der Technischen Universität Darmstadt und von Campana & Schott.

Die Anwendung von KI im Marketing ermögliche tiefere Einblicke in das Kundenverhalten, teilte das Unternehmen mit. Dadurch lasse sich die Ansprache potenzieller Kundschaft verbessern, etwa durch einen intelligenten Chatbot. Anhand gezielter Analysen ließen sich personalisierte Maßnahmen wie KI-basierte Empfehlungssysteme für Streamingdienste oder den Online-Buchhandel gestalten und die Marketing-Performance nachhaltig steigern. Im Vertrieb werde KI genutzt, um Prozesse zu automatisieren. So spare etwa maschinelle Text- und Bildverarbeitung Unternehmen Zeit und Ressourcen. Ein weiterer Use Case sei die Nachfrage-Generierung: Besonders vielversprechende Interessenten würden bezüglich ihrer Kaufbereitschaft analysiert und gezielt angesprochen, falls ein Kaufabschluss wahrscheinlich sei. So könne der Vertriebserfolg gesteigert werden.

KI erweise sich im Produktmanagement besonders zu Analysezwecken als nützlich, hieß es weiter. Automatisch gesammelte Daten aus verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus geben den Angaben zufolge Aufschluss über Kundenbedürfnisse, etwa im Versicherungswesen: Durch den Datenvergleich von Genesungsverläufen und erfolgreichen Behandlungsplänen für bestimmte Krankheiten, profitierten Versicherte von gezielten Gesundheitsangeboten, hieß es.

Die größten Hindernisse der KI-Nutzung
Bisher sei KI mehr im Testbetrieb als im Alltag etabliert – was zeige, dass Unternehmen sich vor möglichen Schwierigkeiten beim Einsatz scheuten. Eine der größten Herausforderungen seien hinreichende und vor allem qualitativ hochwertige Daten. Auf Basis der Expertenbefragung werde empfohlen, Standards im Umgang mit Daten einzuführen. Gleiches gilt demnach beim Thema Datenschutz: Unternehmen müssten wissen, welche Daten sie für das maschinelle Lernen rechtlich überhaupt verwenden dürften und welche Schutzmaßnahmen, wie etwa die Anonymisierung sensibler Kundendaten, ergriffen werden müssten.

Zudem seien Unternehmen gut beraten, ihre organisationalen Prozesse sorgfältig auf den Einsatz von KI einzustellen: Technische Vorrausetzungen wie ausreichende Speicher- und Rechenkapazitäten stellen laut dem Report einen entscheidenden Faktor für die erfolgreiche Implementierung dar. Wie es weiter hieß, benötigten zunächst die Führungskräfte ein grundlegendes Verständnis über die Funktionsweise Künstlicher Intelligenz. Nur so könnten sie notwendige Maßnahmen aktiv unterstützen und Zweifel aus dem Weg räumen. Zudem brauche es Fachkräfte wie Data Scientists und Software Engineers. Diese seien jedoch auf dem Markt stark umkämpft und dementsprechend teuer. Deshalb sei es unabdingbar, dass Unternehmen vor dem Einsatz von KI eine langfristige und gleichzeitig flexible Strategie entwickelten.

Grundsätzlich sollten sich Unternehmen informieren, „welche Aspekte bei der Entwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz zu beachten sind. Zunächst werden mögliche Anwendungsfälle für die eigenen Prozesse identifiziert und individuell bewertet“, hieß es in dem Report. Vor diesem Hintergrund müsse geklärt werden, „ob man sich externer KI-Services bedient oder ein KI-Modell selbstständig trainiert. Agile Methoden und nachhaltige Unterstützung durch das Management befähigen dann die Fachkräfte in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen, die erforderlichen Maßnahmen für den Einsatz Künstlicher Intelligenz erfolgreich umzusetzen“, so das Fazit. (ud)

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