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Moderne Technologien im Bankwesen: Ein digitaler Schlachtplan ist notwendig

Die Finanzwelt ist zu einem hartumkämpften Feld geworden. Finanzdienstleister müssen sicherstellen, dass sie bei den Themen Digitalisierung und Innovation dem wachsenden Wettbewerb in nichts nachstehen, während sie aber gleichzeitig die sich regelmäßig ändernden gesetzlichen Vorschriften beachten müssen. Doch nicht nur diese sind wandelbar – auch die Bedürfnisse der Kunden verändern sich kontinuierlich. Als wäre dieser Kampf ums Überleben nicht schon kompliziert genug, tauchen dann auch noch immer mehr neue Herausforderer auf und mischen im Geschehen mit, sodass die alteingesessene Garde der Traditionsbanken alles in ihrer Macht Stehende tun muss, um mitzuhalten. Ein regelrechter Krieg im Banken- und Finanzdienstleistungsbereich hat begonnen. 

Wenn sie die Konkurrenz abhängen möchten, müssen Banken mehr tun, als nur Kunden online anzusprechen. Sie müssen eine Strategie und einen Schlachtplan entwerfen, um neue Kunden digital zu gewinnen und an Bord zu holen und gleichzeitig ein schnelles und sicheres digitales Erlebnis für bestehende Kunden schaffen – ganz zu schweigen von allem, was hinter den Kulissen verbessert werden muss, um sicherzustellen, dass sie ihre Ziele erreichen können. Kurz: Alle Prozesse müssen reibungslos ablaufen. Deshalb ist es nötig, dass sich Verantwortliche in ihre digitale Einsatzzentrale zurückziehen und erst einmal ihre Prozesse unter die Lupe nehme, um sie anschließend optimieren zu können. 


Einführung der digitalen Einsatzzentrale
Der Übergang zu einer stärker digitalisierten Landschaft bedeutet, dass Banken und Finanzinstitute gleichermaßen ihre Daten besser nutzen sollten, um die Bedürfnisse der Kunden zu antizipieren, komplexe Prozesse zu vereinfachen und die richtigen Technologie-Partnerschaften eingehen sollten. In der Regel haben alteingesessene Banken Unmengen an Daten vorliegen, da sie als vertrauenswürdige Marken im Laufe der Zeit Millionen von Kunden bedient haben. Aber diese Datenmenge kann wertlos sein, wenn sie nicht richtig oder nicht schnell genug genutzt wird. 

Banken sollten sich jetzt in die digitale Einsatzzentrale zurückziehen. Hier können die Institute Einblick in jeden einzelnen Prozess ihres Unternehmens erhalten. Sie können Abweichungen, Engpässe und Verzögerungen erkennen und all diese Daten nutzen, um herauszufinden, wie sie Kunden- und Geschäftsanforderungen besser erfüllen können. 
Die Prozessanalyse kann dabei helfen, Erkenntnisse aus Daten zu gewinnen, die bei traditionellen Banken in Hülle und Fülle, aber auch bei neuen Finanzorganisationen bereits ausreichend vorhanden sind. Da sich Trends und Kundenbedürfnisse ständig ändern, ist es wichtig, dass die Banken durch die Erfassung aussagekräftiger Erkenntnisse der Konkurrenz immer einen Schritt voraus sind. Ein Beispiel dafür ist die Bereitstellung personalisierter Dienstleistungen auf Grundlage der Kundenprofile, über die die Institute verfügen. Sie können die Daten über Kundenpräferenzen, Kaufhistorie und Verhalten nutzen, um die Kundenbedürfnisse besser zu verstehen. 


Die richtigen Waffen einsetzen
Die Einrichtung einer digitalen Einsatzzentrale ist nur die halbe Miete. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, zu wissen, welche Technologien man darin einsetzen soll. Von fehlenden Fristen für die Beantragung von Krediten bis hin zu technischen Fehlern bei der Verarbeitung einer Überweisung kann in einer Bank vieles schiefgehen. Dies ist fast immer auf fehlerhafte Prozesse zurückzuführen. 

Wenn fehlerhaft laufende Prozesse auch noch automatisiert werden, können Produktivität und Effizienz rasch leiden. Schließlich ist Automatisierung nicht die Antwort auf jede Art von Prozessstörung. Der Versuch, Abläufe zu automatisieren, ohne vorher zu wissen, welche gut funktionieren und welche nicht, ist ein verlorener Kampf. Der Einsatz passender Technologien in adäquater Umgebung –  ein digitaler Analyseraum, in dem alle Informationen vor einem liegen – ist entscheidend, wenn es darum geht, Banken dabei zu helfen, störende Prozesse zu erkennen und durch automatisierte Prozesse zu ersetzen. So ein Überwachungsraum ermöglicht den Mitarbeitern auch das Monitoring über die Prozesse, mit denen sie täglich arbeiten. 

Anstatt auf Hindernisse zu reagieren, gibt ein Überwachungsraum den Banken die Instrumente an die Hand, um proaktiv zu handeln und Probleme oder Verzögerungen zu erkennen, bevor sie tatsächlich eintreten. Banken, die die vor ihnen liegenden Hindernisse nicht erkennen, werden sich nur langsam anpassen, und viele werden einfach nicht überleben. Durch die Kombination von Prozessintelligenz mit Automatisierungslösungen wie Robotic Process Automation (RPA) können Banken Probleme antizipieren, Lücken im Voraus schließen und sie abwehren – etwa durch die Aktualisierung von Bots mit Korrekturmaßnahmen, um einen fehlgeschlagenen Prozess zu beheben. Ohne intelligente Automatisierung können Geldhäuser nur reaktiv sein und erst dann von Problemen erfahren, wenn es bereits zu spät ist. Im Banken- und Finanzsektor können solche Fehler verheerend sein.


Fazit
Traditionelle Institute, die sich in das Zeitalter der digitalen Transformation begeben, um mit ihren FinTech-Pendants Schritt zu halten, haben heute viel mehr Aufgaben als nur Schecks einzulösen und Kredite zu vergeben. Aber mit mehr Dienstleistungen und einem besseren Service kommen komplexere Prozesse ins Spiel, sowohl im Back-End als auch im Kontakt mit Kunden. Durch den Einsatz des richtigen Technologie-Mixes haben traditionelle Bankhäuser einen ausgefeilten Schlachtplan an der Hand, mit dem sie den Krieg gewinnen können.

 



Autor


Markus Pichler
, VP Sales Europe bei ABBYY.

 

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