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KI-Nutzung: Europäische Banken hinken US-Instituten hinterher

Weltweit verzichtet kaum noch eine größere Bank auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) bei einzelnen Anwendungen. Chatbots, Virtual Agents, intelligente 360-Grad-Kundenplattformen oder automatisierte Prozesse im Risikomanagement und bei der Kreditvergabe sind dafür deutliche Belege. Doch nur die wenigsten Kreditinstitute verfolgten eine einheitliche Strategie, verfügten über entsprechende Ressourcen und nutzten sämtliche Möglichkeiten des Maschinellen Lernens (ML) sowie der Automatisierung menschlicher Denkprozesse entlang ihrer Wertschöpfungskette, so eine aktuelle Studie von Bain & Company.

Zweifelsohne verfügten die beteiligten europäischen Banken, darunter auch namhafte deutsche und Schweizer Anbieter, mittlerweile über eine gewisse Erfahrung beim KI-Einsatz, hieß es weiter. Doch nur ein Europäer zählt demnach zu den Top-Instituten auf diesem Gebiet. Dagegen dominieren den Angaben zufolge die großen US-Häuser: „Viele europäische Banken agieren noch sehr zögerlich und hinken damit den US-Instituten hinterher, die inzwischen zum Teil einen mehrjährigen Vorsprung haben", stellte KI-Expertin Dr. Christian Westermann fest. „Dadurch könnte speziell das Firmenkundengeschäft der europäischen Häuser in Gefahr geraten, da hier ein globaler Wettbewerb herrscht.“ Gerade in diesem hart umkämpften Markt wüssten die US-Banken durch den konsequenten Einsatz von KI mehr über die Bedürfnisse ihrer Kundschaft und könnten so Angebote rascher unterbreiten und individueller gestalten, so die Studie. Zudem profitierten sie von einem höheren Automatisierungsgrad ihrer Prozesse.

KI steigert die Servicequalität
Kostenvorteile ergäben sich für Banken in zweifacher Hinsicht. Zum einen erhöhe sich durch die Automatisierung sowie die ständige Erreichbarkeit ihre Produktivität. Zum anderen könne mit KI die Servicequalität gesteigert werden – durch ständiges Weiterlernen und Einbeziehung aller verfügbaren Informationsquellen. Durch KI transformierte Prozesse könnten teilweise um über 80 Prozent effizienter gestaltet werden. Banken, die Künstliche Intelligenz systematisch und strategisch nutzten, würden deshalb den anderen Instituten in puncto Kundenzufriedenheit und Kosteneffizienz voraus sein, hieß es.

Bestes Beispiel dafür sei die vielerorts bereits begonnene Automatisierung der Kreditvergabe, so die Studie. Statt unabgestimmt Initiativen in den verschiedenen Geschäftsbereichen voranzutreiben, gelte es, sich im ersten Schritt auf eine Technologie, eine Plattform und eine Datenbasis zu verständigen sowie alles institutsweit unter Einbindung von Risikomanagement und Compliance zu installieren. Im zweiten Schritt sei es den einzelnen Geschäftsbereichen dadurch möglich, gezielt wertschaffende Prozesse sowie eventuell auch das Pricing zu automatisieren. So seien Banken dann in der Lage, der Kundschaft binnen 24 Stunden einen passenden Kredit anzubieten und abzuschließen. Heute dauere dieser Prozess zum Teil noch Tage, wenn nicht gar Wochen, hieß es. (ud)

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