Trends Markt News

Photo by Samuele Errico Piccarini on Unsplash

KI-Funktionen: Wie autonomes Fahren sicherer wird

Selbstfahrende Autos und Busse ohne Fahrer: Autonomes Fahren ist längst keine Zukunftsvision mehr, sondern zum Teil bereits Realität. Die Technologie könnte den Straßenverkehr Experten zufolge entgegen landläufiger Befürchtungen sogar sicherer machen. Eine Studie des Prognos-Forschungsinstituts für den ADAC zeigt jedoch, dass sich automatisiertes Fahren nur langsam durchsetzen werde. Das liege vor allem daran, dass Autos durchschnittlich bis zu zwanzig Jahre im Einsatz seien – und sich neue Technologien deshalb nur allmählich im Gesamtbestand bemerkbar machten, so der ADAC. Wie das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS am Dienstag in Sankt Augustin mitteilte, werde die Technologie ohne nachgewiesene Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden nicht umgesetzt werden können. Automobilhersteller, Zulieferer, Technologie-Unternehmen und Forschungsinstitute in Deutschland arbeiteten daher gemeinsam an der größtmöglichen Absicherung von KI-Funktionen.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) mit 19,2 Mio. Euro geförderte Forschungsprojekt „KI-Absicherung“ ziele auf die Entwicklung von abgesicherten KI-Funktionsmodulen und standardisierten Schnittstellen, so das Institut. Das Gesamtbudget inklusive der Beiträge der beteiligten Partner betrage 41 Mio. Euro. Im Dialog mit Zertifizierungsstellen und Standardisierungsgremien solle zudem ein „allgemein akzeptierter Industriekonsens geschaffen und die Position der deutschen Automobilbranche nachhaltig gestärkt werden.“ Neben dem Konsortialführer Volkswagen AG übernehme das Fraunhofer IAIS die stellvertretende Leitung und wissenschaftliche Koordination des Projekts, das bis Juni 2022 laufen werde, hieß es.

Bewegungen anderer Verkehrsteilnehmer werden interpretiert

Ein autonomes Fahrzeug müsse seine Umwelt wahrnehmen und auf diese adäquat reagieren können. Diese Umfelderkennung müsse in der Lage sein, die Bewegungen anderer Verkehrsteilnehmender, etwa von Fußgängern, zu interpretieren und daraus Intentionen für deren weiteres Verhalten abzuleiten. In hochautomatisierten Fahrzeugen würden diese Aufgaben zunehmend von Künstlicher Intelligenz (KI) übernommen. Solche auf Maschinellem Lernen (ML) beruhenden KI-Funktionsmodule entwickelten sich damit zu einer Schlüsseltechnologie.

Eine der größten Herausforderungen bei der Integration dieser Technologien in hochautomatisiert fahrende Autos sei es, die gewohnte funktionale Sicherheit bisheriger Systeme zu gewährleisten. Existierende und etablierte Absicherungsprozesse ließen sich nicht ohne weiteres auf maschinelle Lernverfahren übertragen. Das Forschungsprojekt verfolge das Ziel, „eine stringente und nachweisbare Argumentationskette für die Absicherung und Freigabe von KI-Funktionsmodulen im Kontext des hochautomatisierten Fahrens aufzubauen.“ Dafür werde im Projekt eine Prozesskette mit offenen standardisierten Schnittstellen zur Erzeugung hochwertiger und reproduzierbarer synthetischer Trainings- und Testdatensätze erzeugt.

Weiterhin würden KI-Algorithmen zur Fußgängererkennung programmiert und vorwiegend mit diesen erzeugten synthetischen Daten trainiert und getestet. Dadurch könnten beispielhaft Methoden und Maßnahmen entwickelt werden, die dazu geeignet seien, die Argumentationskette zur prinzipiellen Absicherung mit messbaren Leistungs- und Sicherheitsmaßen für KI-Funktionsmodule zu untermauern. „Mit Hilfe der im Projekt gewonnenen Erkenntnisse soll im Dialog mit Standardisierungsgremien und Zertifizierungsstellen die Grundlage für einen Industriekonsens zur Absicherung solcher KI-Funktionsmodule gelegt werden“, hieß es. (ud)

Stichworte

Verwandte Artikel

Anzeige

Lexikoneinträge