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Finanzmärkte: KI erkennt Anlagebetrug

PrivatkundInnen wie Aufsichtsbehörden haben ein Interesse daran, die Glaubwürdigkeit von BrokerInnen und AnlageberaterInnen genauer zu ermitteln. Zwar müssten sich beide Gruppen bei ihrer Registrierung den Behörden gegenüber professionell ausweisen, doch biete dieser Ausweis offenkundig keinen ausreichenden Schutz vor Fehlverhalten und Betrug, teilte die Goethe-Universität in Frankfurt am Main mit. WissenschaftlerInnen der Hochschule setzten nun bei der Kontrolle Finanzintermediäre selbst ein: Auf Basis von Daten US-amerikanischer BrokerInnen und AnlageberaterInnen werde gezeigt, dass von Finanzintermediären selbst veröffentlichte Informationen in beruflichen sozialen Netzwerken dafür genutzt werden könnten, unseriöse Akteure zu identifizieren.

Die Forschergruppe um den Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. Peter Gomber interessierte sich demnach vor allem für berufliche soziale Netzwerke wie etwa LinkedIn oder Xing. Dort veröffentlichten BrokerInnen und AnlageberaterInnen routinemäßig persönliche Informationen – um sich zu profilieren, Kontakte zu pflegen, ihr Netzwerk weiterzuentwickeln, vor allem aber auch, um potenzielle KundInnen zu werben. Diese Profile seien mittels selbstlernender Algorithmen in Korrelation zu Datenbanken aufgedeckter Betrugsfälle gesetzt worden, die von der US-Aufsichtsbehörde öffentlich zur Verfügung stünden, hieß es.

Betrugsfällen kann vorgebeugt werden
Die Ergebnisse der Studie seien vor allem für Finanzmarktkontrolleure von Bedeutung: So könnten die Erkenntnisse dazu genutzt werden, um eigene Modelle für die Finanzmarktüberwachung zu trainieren oder bereits vorhandene Modelle zu erweitern und damit effizient zu gestalten. Indem man unseriöse Personen früher erkenne bzw. besser kontrolliere, könnten Betrugsfälle und anderes Fehlverhalten verhindert werden, hieß es.

Nach rückläufiger Entwicklung in den beiden Vorjahren sei die Fallzahl im Teilbereich der Anlage- und Finanzierungsdelikte im letzten Jahr um 30,1 Prozent angestiegen (2020: 5.310 Fälle, 2019: 4.081 Fälle), erklärte das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem Lage­bild zur Wirtschafts­krimi­nalität 2020. Der Anstieg der Deliktszahl werde im Wesentlichen auf Kreditbetrugsdelikte zurückgeführt, die in mittelbarem Zusammenhang zur Pandemie stünden, hieß es. Hierbei würden sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen, die mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert worden seien, Opfer von betrügerischen Kreditangeboten. (ud)

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