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Studie zum deutschen Mittelstand: Firmen schieben KI auf die lange Bank

Auch in Bezug auf das eigene Geschäftsmodell sprächen ihr 58 Prozent eine niedrige Bedeutung zu. Bei einem Blick in die Zukunft ändere sich das Meinungsbild jedoch: 59 Prozent seien davon überzeugt, dass die Bedeutung von KI zunehmen werde, so eine neue Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Lutz Meyer, Partner des Unternehmens, erklärte: „Der deutsche Mittelstand steht für eine hohe Innovationsfähigkeit und Geschwindigkeit – eigentlich perfekte Voraussetzungen für die Umsetzung von KI-Initiativen. Die Studienergebnisse machen allerdings deutlich, dass viele mittelständische Unternehmen KI noch immer auf die lange Bank schieben. Damit unterschätzen sie nicht nur die Realität, sondern verwehren sich selbst auch den zahlreichen kurz- und langfristigen Chancen, die Künstliche Intelligenz ihnen bereits heute bieten kann.“

Die Untersuchung ging etwa der Frage nach, welche KI-Technologien für den Mittelstand die größte Bedeutung haben. 45 Prozent der Befragten sehen den Angaben zufolge regelbasierte Systeme in Sachen Relevanz an erster Stelle, gefolgt von Machine Learning (ML, 41 Prozent) und Deep Learning (36 Prozent). Diese Priorisierung decke sich mit den Potenzialen, die sich die Unternehmen vom KI-Einsatz am ehesten versprächen: nämlich der Automatisierung von Prozessen (77 Prozent), der effizienten Nutzung von Daten (72 Prozent) und der Beschleunigung von Prozessen (66 Prozent). Lediglich 43 Prozent erhofften sich von KI die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Entsprechend gering falle mit 26 Prozent auch der Anteil der Unternehmen aus, die Anwendungen selbst entwickelten – 34 Prozent der Befragten nutzten KI als Produkt, 30 Prozent als Service, hieß es.

Gehe es um die idealen KI-Einsatzgebiete im Unternehmen, nennt laut Studie eine Mehrheit von 65 Prozent den IT-Bereich als prädestinierte Abteilung. Auch in der Logistik (59 Prozent) und in der Material- und Produktionswirtschaft (52 Prozent) machen die Teilnehmenden den Angaben zufolge hohe Potenziale für den Gebrauch aus. Überraschend: Gerade solche Bereiche, in denen sich durch etablierte KI-Technologien vergleichsweise rasche und unkompliziert realisierbare Effizienzsteigerungen erzielen ließen – etwa im Controlling oder Rechnungswesen – stuften die meisten Befragten als deutlich weniger KI-geeignet ein.


Hauptrisiko: keine oder unzureichende Daten
Die ambivalente Haltung des Mittelstands zu KI spiegele sich auch in dessen Einschätzungen zu möglichen Anwendungsrisiken wider: Ganze 47 Prozent der Unternehmen fürchten demnach falsche Rahmenbedingungen für deren Einsatz - wie etwa ungenügende Datenqualität oder auch einfach fehlende Daten. 45 Prozent hätten Bedenken, dass Aufwand und Ertrag nicht zusammenpassten. Weitere 44 Prozent sähen das Risiko intransparenter Entscheidungen oder Entscheidungswege. „Zweifel im Zusammenhang mit der KI-Anwendung lassen sich häufig durch ein realistisches Erwartungsmanagement ausräumen“, erläuterte Lutz Meyer. „Dazu gehört neben einer umfassenden Information zu den im eigenen Unternehmen nutzbaren Technologien auch eine sachliche Auseinandersetzung mit möglichen Anwendungsfeldern.“

Hake es im Rahmen der Integration von KI, sehe der Großteil der Führungskräfte die Ursachen zunächst im eigenen Haus, so die Untersuchung: 65 Prozent führten Hemmnisse auf interne Kompetenzmängel zurück, 52 Prozent verwiesen auf allgemeine Probleme der Strategieimplementierung und ebenfalls 52 Prozent auf Datenprobleme. Als weitere Barriere gäben 46 Prozent Mängel in der IT-Infrastruktur an. Passend zu diesen Befunden sähen die Befragten beim Thema Nachholbedarf auch die eigene Belegschaft in der Pflicht: 54 Prozent wollten ihre Mitarbeiter in internen Schulungen fit für KI machen, 50 Prozent setzten auf erfolgreiche Pilotprojekte. 47 Prozent wollten ihren Nachholbedarf durch den Einsatz externer Kompetenzen decken.

Die Studie ging auch der Frage nach, wer im Unternehmen den KI-Hut aufhat. Bei knapp über der Hälfte der Teilnehmenden sei die organisatorische Verantwortung derzeit bei Abteilungen unterhalb der Geschäftsleitung angesiedelt, etwa bei der IT oder den operativen Bereichen, die KI direkt anwendeten (jeweils 16 Prozent). Eine eigene KI-Abteilung könne nur 1 Prozent der Befragten vorweisen. 48 Prozent verorteten die Verantwortung bereits beim Top-Management, hieß es. Eine ähnliche Zweiteilung lasse sich auch beim Thema Budget ablesen: Zwar betrage bei der gesamten Stichprobe der Median für KI-Investitionen rund 250.000 Euro pro Jahr. Allerdings investierten 41 Prozent sogar 500.000 Euro und mehr, während 48 Prozent der Firmen unterhalb des Medians blieben. Bei 11 Prozent liege das KI-Finanzvolumen sogar bei unter 50.000 Euro jährlich. Immerhin: 38 Prozent der Befragten rechneten mit einem starken bzw. sehr starken Anstieg der KI-Budgets für die Zukunft, so die Studie. (ud)
 

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