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Studie: KI geht an den Bankkunden vorbei

Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die Senacor Technologies mit der Universität Luxemburg und dem Fraunhofer-Institut erstellt hat. Wer heute auf die Webseite einer Bank gehe, merke so gut wie nie, ob eine Künstliche Intelligenz am Werk sei oder nicht, hieß es. Die Institute nutzten KI dazu, Muster zu erkennen – beispielsweise, ob Betrug im Spiel sei, wenn ein Kunde Geld überweise oder er an einem ungewöhnlichen Ort mit der Kreditkarte bezahle. Die Systeme erkennen demnach auch schon, wenn Geldwäsche im Spiel sei. Mit der KI interagieren dürften die Kunden dagegen praktisch gar nicht, so die Kritik. Nach einem intelligenten Chatbot oder einem Sprachassistenten, der dabei helfe, das Konto zu führen oder Umsätze zu analysieren, suchten die Kunden meist vergebens.

„Kaum ein Verbraucher weiß, was sich mit Künstlicher Intelligenz machen lässt, weil gerade die Unternehmen in der Finanzbranche zu zaghaft vorgehen“, erklärte Prof. Dr. Gilbert Fridgen von der Universität Luxemburg. „Die Institute sitzen wie ein Kaninchen vor der Schlange, weil sie befürchten, mit falschen Angeboten ihre Kunden zu verärgern. Niemand will das Gefühl bekommen, dass die Bank sich durch einen Chatbot das persönliche Gespräch spart.“


KI darf niemanden diskriminieren
Gefahren lauern demnach auch bei den gesetzlichen Vorschriften, hieß es weiter. Die Banken müssten etwa erklären können, warum sie einen Kredit ablehnen. Auch eine Künstliche Intelligenz dürfe niemanden diskriminieren. Wie die Maschine entscheide, müsse deshalb nachvollziehbar sein und regelmäßig überwacht werden. Nichts zu tun, sei dennoch der falsche Weg. So entgingen den Banken beziehungsweise den Unternehmen allgemein bis zu 25 Prozent mehr Gewinn, wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in einer Studie habe ermitteln lassen. Zudem hätte heute schon jeder zehnte Euro Umsatz, den deutsche Unternehmen mit einer Weltmarktneuheit verdienten, mit KI zu tun, hieß es.

Statt bei null anzufangen, würden immer mehr Banken inzwischen mit FinTechs kooperieren, die oft schon konkrete Ideen mit einer KI umgesetzt hätten. Start-ups aus den USA lassen den Angaben zufolge etwa Noten während des Studiums, den SAT-Score (Scholastic Assessment Test), oder Zahlungsdaten von Online-Marktplätzen von einer KI auswerten, um zu entscheiden, wer einen Kredit bekomme und wer nicht. Banken stelle sich somit auch die Frage, wie sie an die Daten für ihre Vorhaben herankommen könnten.

Tatsächlich setzten deutsche Firmen derzeit noch kaum auf KI, so eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom. Zudem begreife eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent KI eher als Chance denn als Gefahr. Vor drei Jahren hätten diese beiden Lager noch gleichauf gelegen, hieß es unter Bezugnahme auf die Studie. (ud)

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