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Medizin: KI hilft in der Notfallversorgung

Im Forschungsprojekt „Leitsystem zur Optimierung der Therapie traumatisierter Patienten bei der Erstbehandlung“ (LOTTE) habe das Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS gemeinsam mit Partnereinrichtungen aus dem Gesundheitswesen und den Rechtswissenschaften sechs Musterszenarien für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Behandlung von Schwerverletzten entwickelt, teilte das Institut mit. Das vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderte Projekt stelle die datengetriebene Entscheidungsunterstützung in den Mittelpunkt. Im neuen Whitepaper beleuchteten Wissenschaftler des IAIS die Potenziale und Herausforderungen von KI im Krankenhaus und bei der Versorgung Schwerverletzter.

In Deutschland gäbe es jährlich mehr als 2,6 Millionen Verkehrsunfälle, bei denen es zu fast 400 000 Verletzten, darunter 68.000 Schwerverletzten komme, hieß es. Hinzu kämen Schul-, Sport-, Arbeits- und Freizeit-Unfälle, sodass statistisch 12 Prozent der deutschen Bevölkerung in einem Jahr einen Unfall erlitten. Nach ihrem Rettungstransport kämen lebensgefährlich Verletzte und sogenannte Polytrauma-Patienten für die sofortige Behandlung in einen speziell eingerichteten Schockraum im Krankenhaus. Die Versorgung sei sehr komplex und erfolge unter hohem Zeitdruck. Hier könne KI das Behandlungsteam zukünftig durch Entscheidungsunterstützung und Datenanalyse in lebensentscheidenden Maßnahmen unterstützen, hieß es.

In der Frühversorgung Schwerverletzter spielten Daten eine entscheidende Rolle, darunter Informationen zum Hergang des Unfalls, Vitaldaten, Vorerkrankungen und Vormedikation, Bildgebungsdaten sowie Messgrößen medizintechnischer Geräte im Schockraum. Die theoretisch entwickelten Lösungen setzen den Angaben zufolge mit einer „Intelligenten Alarmierungskette“ direkt am Unfallort an. Hier verwandele die Technologie den Informationsfluss zwischen Notärzten, Leitstelle und den Fachkräften im Krankenhaus automatisch in Datensätze. So werde der Informationsverlust von der Erstversorgung bis hin zur Einlieferung und der Behandlung im Schockraum auf ein Minimum reduziert und die erhobenen Daten lieferten frühzeitig Erkenntnisse für den Behandlungsprozess. Erste Beispiele von datenbasierter Kommunikation aus der Praxis zeigten die Notwendigkeit eines flächendeckenden Einsatzes.

KI-gestütztes Sprachsystem mit Mikrofonen
Eine lückenlose Überlieferung lebenswichtiger Informationen sei auch Ziel der „Semiautomatischen Sprachdokumentation“, die im Einsatzszenario rund um die Einlieferung und Behandlung im Schockraum selbst eine große Rolle spiele, hieß es weiter. Die Übergabe durch das einliefernde notärztliche Team, die bislang in der Regel mündlich vermittelt und selten in strukturierter Form festgehalten werde, könne künftig durch ein KI-gestütztes Sprachsystem mit Mikrofonen im Schockraum digital aufgezeichnet und automatisch in ein strukturiertes Text-Protokoll umgewandelt werden. Sowohl für die interne Qualitätssicherung als auch für den Export in eine Registerdatenbank diene das Protokoll einer detaillierteren aber auch zeitsparenden Nachhaltung der relevanten Informationen.

Auch bei der Entscheidung über eine mögliche Operation könne KI das Krankenhaus-Team unterstützen, hieß es in der Mitteilung. Denn insbesondere Schwerverletzte würden ein hohes Risiko tragen, wegen Komplikationen bei Operationen zu versterben. Diese Risiken könnten auch den potenziellen Nutzen einer Operation übersteigen. Im Szenario „OP-Risikoabschätzung“ berechne das System aus den zur Verfügung stehenden Klinikdaten und den Patientendaten das individuelle Komplikationsrisiko. Diese Information könne das Team zur Entscheidung heranziehen, so das IAIS. (ud)

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