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Enquete-Kommission: Fachkräftemangel im KI-Bereich  

Darauf wiesen mehrere Sachverständige in einer öffentlichen Anhörung der Enquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz hin, teilte der Informationsdienst „heute im bundestag“ (hib) am Montag in Berlin mit. In der Sitzung forderten die Vortragenden den Angaben zufolge unter anderem, KI-Themen besser in den Schulen zu verankern sowie das Niveau insbesondere des Mathematik-Unterrichts an den Gymnasien zu heben.

Boris Hollas, Sachverständiges Mitglied der Kommission und Lehrstuhlinhaber für Künstliche Intelligenz und Theoretische Informatik an der HTW Dresden, zog laut hib eine ernüchternde Bilanz der Kenntnisse von Studienanfängern. „Um KI in der Tiefe zu verstehen, muss man auch die Mathematik verstehen". KI sei „im Prinzip angewandte Mathematik“. Es gebe ein „gravierendes Problem mit der Studierfähigkeit und insbesondere mit den Mathematikkenntnissen", sagte Hollas. Vor 20 Jahren sei dies noch nicht so gewesen. Universitäten böten inzwischen Vor- und Brückenkurse an, um dem entgegenzuwirken. Die Abbruchquote liege in dem Fach bei 46 Prozent. Der Informatikprofessor machte die Niveausenkung an den Schulen, den „Akademisierungswahn“ sowie die Orientierung an Kompetenzen statt Lerninhalten für die Entwicklung verantwortlich, so der hib.

„Massiver Engpass“

Susanne Dehmel, Sachverständiges Mitglied und Mitglied der Geschäftsleitung des Branchenverbandes Bitkom, verwies auf zahlreiche neue Rollen, die im KI-Kontext entstünden, beispielsweise KI-Manager oder KI-Trainer. „Es gibt einen harten Wettbewerb um die klügsten Köpfe", resümierte Dehmel. Unternehmen könnten eigene KI-Projekte nicht umsetzen, weil ihnen die Fachkräfte fehlten. Dies sei Teil eines größeren Problems, so fehlten zum Beispiel aktuell 124.000 IT-Spezialisten. Die Verbands-Vertreterin sprach von einem „massiven Engpass“.

Mit Blick auf Frauen unter den KI-Fachkräften verwies Dehmel auf eine Erhebung des Weltwirtschaftsforums im Rahmen des „Global Gender Gap Report 2018“. Danach seien nur 16 Prozent der KI-Fachkräfte in Deutschland Frauen, weltweit liege der Schnitt bei 22 Prozent. Laut Dehmel ist auch dies nur Ausdruck eines größeren Problems in der IT-Branche, in der nur 17 Prozent der IT-Fachkräfte Frauen seien. Die Bitkom-Vertreterin forderte etwa, den Studentinnen-Anteil in den MINT-Fächern zu erhöhen und flexiblere Arbeitsmodelle. Julia Kloiber vom feministischen Think Tank „Superrr Lab" verwies auf einen „Gender-Data-Gap", der bestehende Ungleichheiten verstärke. Wichtig sei, auch in den technischen Studiengängen ein Bewusstsein für diese Ungleichgewichte zu schaffen. (ud)

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