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Berichterstattung über KI: Blinde Flecken beim Gemeinwohl

Wie aus der Auswertung der Studie der Bertelsmann-Stiftung hervorgeht, habe sich die Präsenz des Themenkomplexes Algorithmen und KI in den betrachteten Leit- und Fachmedien in den vergangenen zehn Jahren deutlich erhöht – von gerade einmal 17 monatlichen Erwähnungen im Jahr 2010 auf 498 Erwähnungen pro
Monat in der ersten Jahreshälfte 2020. Dabei sei der Anteil gesellschaftspolitischer Themen am Diskurs über die Zeit stark zurückgegangen. Die wirtschaftlichen und technischen Themen hätten hingegen an Gewicht zugenommen und dominierten demnach besonders in den vergangenen zwei bis drei Jahren den medialen Diskurs.

Ein genauer Blick auf die Inhalte der Berichterstattung verdeutliche die starke Orientierung an Wirtschaft und Technik. So seien Produktneuheiten mit Abstand der häufigste Grund, politische Entscheidungen der seltenste Anlass für die Berichterstattung über Algorithmen und KI, hieß es. Fragen der IT-Sicherheit sowie die großen Digitalkonzerne Google und Facebook tauchten sehr oft auf, und auch der internationale KI-Technologie-Wettbewerb zwischen den USA, China und Europa sei Gegenstand vieler Texte. 20 Prozent der in der Inhaltsanalyse untersuchten Artikel drehen sich der Analyse zufolge um digitale Infrastruktur. 

Digitale Assistenzsysteme wie Siri und Alexa würden in 18 Prozent der Artikel thematisiert. Demgegenüber spielten gemeinwohlorientierte Themen nur eine untergeordnete Rolle. Immerhin 9 Prozent der analysierten Beiträge beschäftigen sich demnach mit algorithmischen Systemen im Gesundheitswesen. Auswirkungen auf Bereiche wie Bildung oder den Klimaschutz tauchten hingegen nur in etwa 1 Prozent der Artikel auf. Entsprechend hoch sei die Präsenz von Akteuren aus der nationalen und internationalen Wirtschaft. Sie kämen in 37 Prozent der Artikel zu Wort, während Vertreter aus der Politik (7 Prozent) und Zivilgesellschaft (4 Prozent) nur selten zitiert würden.

Darstellung von KI überwiegend positiv
Der Untersuchung zufolge ist die Darstellung von Algorithmen und Künstlicher Intelligenz überwiegend positiv. Chancen und Vorteile würden in den untersuchten Beiträgen häufiger thematisiert als Risiken und Probleme. In 42 Prozent der Artikel werde eindeutig positiv über den Einsatz von Algorithmen und KI berichtet, während in gerade einmal 12 Prozent der Artikel eine eindeutig negative Bewertung vorherrsche. Eine genaue Betrachtung zeige, dass diese Ausrichtung des Diskurses vor allem auf die Dominanz wirtschaftlicher Aspekte zurückzuführen sei. Bei den Chancen dominieren demnach ökonomische Faktoren, wie Effizienzsteigerung und individuelle Vorzüge, etwa in Form personalisierter digitaler Angebote. Positive Effekte fürs Gemeinwohl, etwa eine bessere Verteilung knapper öffentlicher Ressourcen oder fairer Zugang zu staatlichen Leistungen, kämen kaum zur Sprache.

Auch wenn der Diskurs einen klaren positiven Tenor aufweise, würden dennoch wichtige Problemfelder und Risiken thematisiert, etwa Datenschutz-Kontakte, mangelnde Technologiekompetenz in der Bevölkerung oder ungenügende Regulierung von Algorithmen, hieß es weiter. Im letzten Punkt vermissen die Studienautoren in der Berichterstattung konkrete Handlungsempfehlungen. (ud)

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