Grundlagen News

iStock.com/mik38

Astronomie: Forscher wollen KI im Weltraum trainieren

Wissenschaftler der Universität Würzburg haben angekündigt, einen Satelliten mit Künstlicher Intelligenz (KI) an Bord ins Weltall zu befördern. „Wir wollen die KI an Bord eines Kleinsatelliten unter Weltraumbedingungen trainieren", teilte Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU), mit. Künstliche Intelligenz (KI) in der Raumfahrt einsetzen? Laut Professor Kayal steht die Wissenschaft auf diesem Gebiet noch ganz am Anfang, erklärte die JMU: „Es gibt dazu nur eine Handvoll Projekte.“

Wenn eine KI unbekannte Phänomene aufspüren solle, müsse sie zuvor trainiert werden. Sie müsse mit Bekanntem „gefüttert“ werden, damit sie Unbekanntes erkennen könne, erklärte die Hochschule. Kayal: „Es gibt schon Satelliten, die mit KI arbeiten. Deren KI wird auf der Erde trainiert und dann in den Orbit gefunkt. Wir haben allerdings anderes vor: Wir wollen die KI an Bord eines Kleinsatelliten unter Weltraumbedingungen trainieren.“ Dieses Vorhaben sei herausfordernd, aber machbar: „Auch miniaturisierte IT-Systeme werden immer leistungsfähiger. Und wir lassen uns Zeit für das Training der KI. Da kann ein Lernprozess im Orbit ruhig auch einmal mehrere Tage in Anspruch nehmen.“

Warum aber das Training der KI in den Weltraum verlagern, auf Computer im Kleinstformat? Wo es doch mit Großrechnern auf der Erde viel einfacher zu realisieren wäre? Das liege daran, dass Kayal eine klare Vision von der Zukunft habe. Er wolle Kleinsatelliten mit KI nicht nur zur Beobachtung der Erde, sondern auch interplanetar einsetzen – um neue extraterrestrische Phänomene zu entdecken, vielleicht sogar Spuren außerirdischer Intelligenzen, hieß es.

Relevante Entdeckungen werden zur Erde gemeldet
„Sobald man interplanetar unterwegs ist, wird die Kommunikation mit dem Satelliten zum Flaschenhals“, so der Professor. Mit zunehmender Entfernung zur Erde dauere der Datentransfer länger, „da kann man nicht ständig Daten hin- und herschicken. Darum muss die KI dazu in der Lage sein, auf dem Satelliten selbstständig zu lernen. Und sie darf ausschließlich relevante Entdeckungen zur Erde melden.“

Der Kleinsatellit SONATE-2 werde etwa so groß wie ein Schuhkarton sein (30x20x10 Zentimeter), teilte die Uni mit. Mit seinen Kameras, die in unterschiedlichen Spektralbereichen Bilder aufnehmen, werde er die Erde im Blick haben. Die Bilddaten fließen en Angaben zufolge in die KI, die automatisch Objekte erkennen und klassifizieren solle. Rund um die Erde werde die Technologie zuerst eingehend erprobt, bevor sie später womöglich auf interplanetare Reise gehen könne. 

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördere das Vorhaben mit 2,6 Mio. Euro. Angelaufen sei das Projekt am 1. März 2021. Im Frühjahr 2024 solle der Satellit in den Orbit gebracht werden. Die Mission dort sei auf ein Jahr veranschlagt, so die Hochschule. (ud)
 

Verwandte Artikel

Anzeige

Lexikoneinträge